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Transparenzbericht 2025

Liebe alle,

auch in diesem Jahr möchten wir euch einen Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate geben und einen Ausblick auf das Jahr 2026 gewähren.

Im Kollektiv war viel los: Unsere Präsenz in der Rösterei hat stetig zugenommen und wir haben zum ersten Mal offiziell als Kollektiv an einer Reise zur indigenen Bewegung im Cauca teilgenommen. Zudem werden wir in unserem Viertel immer sichtbarer und konnten bereichernde Kooperationen mit anderen Röstereien starten. Aber der Reihe nach…

Reise in den Cauca und Bildungsarbeit
Im Januar 2025 machten sich Mira und Basti gemeinsam mit Chris und Martin vom Kaffeekollektiv Aroma Zapatista auf den Weg in den Cauca. Erstmals konnten sie vor Ort miterleben, wie der Rohkaffee mit großer Sorgfalt angepflanzt, gepflegt, geerntet und zu Pergamin-Kaffee aufbereitet wird. Neben dieser praktischen Erfahrung stand der Austausch mit der indigenen Bewegung und den Kaffeebäuer:innen der Kooperative CENCOIC im Fokus. Die dicht gefüllte Agenda ließ wenig Zeit zum Reflektieren, weshalb die Nachbereitung und der interne Austausch im Anschluss für uns alle besonders wertvoll waren. Wer mehr erfahren möchte, findet den ausführlichen Bericht auf unserer Homepage. Auch bei Veranstaltungen, wie etwa im Serrahn in Bergedorf, konnten wir von unseren Erlebnissen berichten und die Stimmen der Erzeuger:innen hörbar machen.

Broschüre über den CRIC

Neue Broschüre über die Bewegung

Parallel dazu entstand eine Neuauflage der Broschüre über die Bewegung im Cauca. Der Besuch vor Ort wurde genutzt, um direkt mit den Autor:innen und Aktivist:innen ins Gespräch zu kommen. Die Broschüre – ein Gemeinschaftsprojekt mit Aroma Zapatista und engagierten Privatpersonen – bietet eine aktualisierte und umfangreiche Informationsquelle über die Situation im Cauca. Die meisten Artikel wurden von Menschen vor Ort verfasst und anschließend ins Deutsche übersetzt. Weitere Informationen findet ihr unter cauca-indigena.de. Die Broschüre ist in unserem Büro sowie im Webshop erhältlich.

Das Büro als Begegnungsort 
Wir haben in diesem Jahr feste Öffnungszeiten eingeführt: Meist montags (13–17 Uhr) und mittwochs (10–16 Uhr) öffnen wir unser Büro für Kaffeeliebhaber:innen und Interessierte. Neben einem netten Plausch mit den anwesenden Kollektivistas gibt es den Kaffee dort zum Lagerpreis. Zudem füllen wir gerne mitgebrachte Behälter auf, um gemeinsam Verpackungsmaterial und Versandkosten zu sparen.

Preisentwicklung und Marktsituation 
Kaffee unterliegt als börsengehandeltes Produkt leider der Marktlogik und entsprechenden Preisschwankungen. Als Anfang 2025 die Preise global rasant stiegen, gerieten viele konventionelle Röstereien unter Druck und versuchten durch Massenaufkäufe ihre Dumpingpreise zu halten. Für uns bedeutete diese Zeit vor allem: Vertrauen in unsere langjährigen, direkten Beziehungen. Gemeinsam mit den Kollektiven, mit denen wir den Großteil unseres Rohkaffees ko-importieren, konnten wir eine Erhöhung der Rohkaffeepreise um teilweise 3–6 € pro Kilo vermeiden. Dennoch sind auch unsere Kosten gestiegen. Mit dem neuen Import haben wir uns daher entschlossen, unsere Preise zum 01.05.2026 um 1,50 € pro Kilo anzupassen. Eine transparente Preisaufschlüsselung findet ihr wie gewohnt auf unserer Website.

Wachstum und Solidarität in Zahlen 
Unsere Produktionszahlen entwickeln sich positiv: Die Gesamtröstmenge konnte im Vergleich zu 2024 um geschätzt 50 % gesteigert werden. Konkret haben wir aus 5.290 kg Rohkaffee 4.925 kg Röstkaffee produziert. Zusätzlich rösteten wir über 4 Tonnen (4.078 kg) für Aroma Zapatista und starteten die Produktion eines handwerklichen Espressos für das Kollektiv Guancasco Import. Diese Entwicklungen spiegeln sich im Umsatz wider, den wir 2025 mit ca. 160.000 € abschließen konnten (zum Vergleich: 80.000 € in 2023 und 102.000 € in 2024).

Da zu jedem verkauften Kilo Kaffee der Kooperative CENCOIC ein Solibeitrag von 0,50 € gehört, konnten wir 2025 insgesamt 2.369,27 € für die Bewegung im Cauca generieren. Diese Gelder wurden zusammen mit den Beiträgen von Aroma Zapatista übergeben, damit die Bewegung selbstverantwortlich über deren Einsatz entscheiden kann. Zudem haben wir die Vorfinanzierung für kolumbianischen Rohkaffee von 70 % auf 85 % erhöht, um so hoffentlich die Liquidität der Kooperative beim Aufkauf der Ernte zu erhöhen.

Kooperationen und neue Produkte 
Unsere dunkel gerösteten Espressi „Arabica pur“ und „Colectivo“ bleiben die Favoriten. Den „Colectivo“ vertreiben wir seit letztem Jahr intensiv über den Marktplatz von Überlegen. Durch dieses Netzwerk haben wir in Ann-Kathrin von Caraya Cafe eine tolle Partnerin gefunden. Sie importiert den fantastischen „Natural“ aus der Region La Paz (Bolivien), der unserem Espresso Colectivo das gewisse Etwas verleiht.

Im Juli 2025 trafen wir uns im Rahmen der „Corretto“ bei Quijote Kaffee in Hamburg mit verschiedenen Röstereien des Überlegen-Netzwerks. Dieser Austausch führte zu neuen Synergien, wie etwa unserem aktuellen Entkoffeinierungsprojekt: Gemeinsam mit Aroma Zapatista haben wir 6 Tonnen Rohkaffee der CENCOIC mittels der CO2-Methode in Bremen entkoffeinieren lassen. Seither bieten wir regelmäßig solidarischen Decaf-Filterkaffee und Espresso an.

Öffentlichkeitsarbeit und Ausblick 
Auch der direkte Austausch kam nicht zu kurz: Bei Kaffeeständen (z. B. auf der Fusion oder dem Grindelfest) und der Konferenz der Bundeskoordination Internationalismus (BuKo) konnten wir Wissen weitergeben und mit euch ins Gespräch kommen.

Zu guter Letzt haben wir uns intern professionalisiert: Dank entsprechender Fortbildung führen wir unsere Buchhaltung nun eigenständig. Wir verstehen jetzt nicht nur den betriebswirtschaftlichen Fachjargon, sondern haben auch unsere Prozesse rund um die Rechnungslegung fest im Griff.

Wir hoffen auch für das kommende Jahr auf neue Chancen der Zusammenarbeit, der kollektiven Vernetzung und des kämpferischen Miteinanders.

Solidarische Grüße und bis bald,
Eure la gota negras Basti, Lari, Laura, Lisa und Mira

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Warum unser Kaffee kein Siegel hat

Wir haben uns dafür entschieden keine Siegel für unseren Kaffee zu verwenden. Dafür gibt es verschiedene Gründe, die manchmal nicht so einfach zu erklären sind.

Denn viele Menschen, die beim Kauf auf bestimmte Kriterien achten wollen, orientieren sich an Siegeln. Ein Produkt ohne Siegel ist vermeintlich automatisch schlechter, weniger nachhaltig, weniger fair. Das das nicht der Fall ist, möchten wir mit unserem Kaffee beweisen 🙂

Wir nutzen kein Siegel – das heißt nicht, dass wir Siegel grundsätzlich schlecht finden

Der Ansatz an sich ist gut, denn Siegel sollen ja Produkte ausweisen, die in bestimmten Aspekten besser produziert werden als konventionelle Produkte. Sie sind also zum Beispiel ökologischer produziert, es wird auf das Tierwohl geachtet oder auf faire Arbeitsbedingungen. Je nachdem können Siegel sehr hohe Kriterien ansetzen oder eher niedrige. Das Einführen eines Siegels ist eigentlich das Zugeständnis, dass die derzeitige Art des Produzierens und Handels nicht nachhaltig ist und so nicht weitergehen sollte. Das können wir unterschreiben und deshalb ist die Idee eines Siegels erstmal eine gute Sache.

Unüberschaubarer Siegelwald

Es gibt allerdings sehr viele Siegel. In Deutschland sind das inzwischen über 1000. Sehr viele beziehen sich auf den Lebensmittelhandel, es gibt aber auch vielfältige Siegel für Kleidung, technische Geräte, Papier und vieles mehr.

Die Vielzahl der Siegel macht es quasi unmöglich, alle zu kennen und einen Überblick zu behalten. Die wenigsten werden mehr als eine Handvoll Siegel kennen geschweige denn die Kriterien dahinter.

Keine Einheitlichkeit, keine Kontrolle

Viele Begriffe sind auch nicht geschützt, wie z.b. bio, fair, nachhaltig. Diese Begriffe können also frei genutzt werden und was sich genau jeweils dahinter verbirgt, muss ich als Kund*in dann auf der Verpackung oder gegebenenfalls auf einer Homepage nachlesen – das machen die meisten ehrlicherweise wahrscheinlich nicht und so können viele Marken/Supermärkte vom Ruf dieser Begriffe profitieren, ohne unbedingt die Kriterien zu erfüllen (also z.b. beim Begriff bio denken die meisten dann an das EU-Biosiegel und haben dazu vielleicht ungefähr im Kopf was es bedeutet und vermuten dann bei dem Begriff bio auch ein nach ähnlichen Kriterien produziertes Produkt)

Es gibt auch keine zentrale Stelle, die das Einhalten der Siegel überprüft. Die Bundesregierung hat zwar inzwischen eine Onlineplattform, um Siegel zu vergleichen und es einfacher zu machen, die Erfüllung der Kriterien zu überblicken, aber die Plattform ist nicht vollständig und vermutlich auch nicht besonders bekannt.

Für und Wider des Fair Trade -Siegels

Konkret für unseren Kaffee würden als Siegel vor Allem das EU-Biosiegel und das FairTrade-Siegel in Betracht kommen.

Viele der Kriterien für das FairTrade-Siegel stimmen mit unseren Prinzipien überein, wie z.B. eine angemessene Bezahlung oder die Organisierung in demokratischen Strukturen der Anbauenden. Allerdings fallen für die Produzent*innen Gebühren für die Zertifizierung als FairTrade-Betrieb an; Dafür kann der Kaffee danach zu Preisen über Weltmarktniveau verkauft werden. Diese Gebühren sind allerdings hoch, er liegt oft bei mehreren hundert Dollar. Vor Allem bei den allerkleinsten Betrieben, die nur knapp am Existenzminimum wirtschaften, ist kein Geld für derlei Investitionen übrig. Denn das Geld für die Zertifizierung muss bezahlt werden, lange bevor man dann den Kaffee zu Fairtrade-Preisen verkaufen und damit höhere Einnahmen generieren kann. So werden dann eher größere Betriebe gefördert, die sich diese Investition leisten können. Zusätzlich zu den Zertifizierungskosten für den Betrieb, fällt auch eine Gebühr pro Kilo Kaffee an, den man nach FairTrade-Standards produziert.

Außerdem gibt es keine Abnahmegarantie; Man hat durch die Zertifizierung zwar die Möglichkeit, den Kaffee zu höheren Preisen zu verkaufen, es ist aber dadurch nicht automatisch gesichert, dass dann auch jemand kommt und zu dem Preis kauft. Wenn es schlecht läuft, hat man den Kaffee zertifiziert und somit höhere Produktionspreise pro Kilo Kaffee und kann den Kaffee dann trotzdem nur zum Weltmarktpreis verkaufen. So kann im schlechtesten Fall FairTrade-Zertifizierung sogar eine Armutsfalle sein, wenn man z.B. einen Kredit aufgenommen hat um die Zertifizierung zu bezahlen und dann das Geld nicht reinkommt.

Problematische Koppelgeschäfte im Kaffeehandel

In den letzten Jahren hat sich außerdem leider eine problematische Praxis etabliert, die sogenannten Koppelgeschäfte, auf spanisch „combos“. Hierbei bieten große Händler*innen den Anbauenden an einen Teil x des FairTrade-zertifizierten Kaffee zu FairTrade-Preisen abzunehmen, dafür bekommen sie aber einen anderen Teil y zu einem deutlich niedrigeren Preis. Im Durchschnitt verdienen die Anbauenden dann pro Kilo Kaffee also deutlich unter dem FairTrade-Niveau. Diese Praxis ist möglich, weil die Nachfrage für Fairtrade-Kaffee nicht hoch genug ist und die Anbauenden nicht sicher sein können, ihren zertifizierten Kaffee auch verkaufen zu können. Sie lassen sich dann vielleicht lieber auf dieses schlechte Koppelgeschäft ein, als am Ende vielleicht gar keinen Kaffee zu hohen Preisen verkaufen zu können.

Umstellungsprozess auf bio ist langwierig

Ähnliches gilt für das Bio-Siegel. Die Kaffeeproduzent*innen müssen Gebühren bezahlen um sich als Biokaffeebetrieb zertifizieren zu lassen; ob sie den Kaffee dann wirklich zu höheren Preisen verkaufen können, ist vorher nicht klar.  Bei bio dauert es drei Jahre, bis man den Zertifizierungsprozess durchlaufen hat, solange bekommt man noch den konventionellen Preis für den Kaffee. Wenn man vorher konventionell produziert hat, sinkt meist erstmal die Produktionsmenge. Diesen Verdienstausfall über die Zeit, bis der Kaffee zertifiziert ist und den höheren Preis erhält, muss man sich leisten können bzw. sehr kleine Betriebe ohne Rücklagen sind davon quasi ausgeschlossen. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, für den sogenannten Umstellungskaffee, also die Übergangsszeit der drei Jahre, auch schon höhere Preise zu zahlen, um den Bio-Zertifizierungsprozess für mehr Kaffeebäuer*innen zugänglich zu machen.

Welche Siegel für ihren Kaffee in Betracht kommen, müssen aber auch die Anbauenden selbst erstmal entscheiden und abwägen, denn die meisten Siegel sind dann nur regional nutzbar z.B. gilt das EU-Biosiegel nicht in den USA etc. Man muss also langfristig einschätzen, was sich lohnt und wo man den Kaffee absetzen wird – sehr schwierig, gerade für kleine Betriebe.

Machtkonzentration bei den Supermarktketten

Ein weitere Punkt ist, dass es seit einiger Zeit FairTrade-Produkte in so gut wie allen großen Supermärkten gibt. Die Produkte sollen so mehr Menschen zugänglich gemacht werden und durch größeren Absatz auch den Anbauenden helfen, weil sie ja dann mehr Produkte zu guten Preisen verkaufen können.

Entstanden ist FairTrade eigentlich aus direkten Handelsbeziehungen, bei denen Menschen hier, meist in Ehrenamtsarbeit, Produkte direkt kaufen um soziale Bewegungen zu unterstützen (also sehr ähnlich zu unserem Ansatz). Diese Produkte wurden dann in kleinen Läden wie z.B. Eine-Welt-Läden verkauft. Wer hier einkauft, kann meist mit Menschen sprechen, die direkt an dem Handel mit den Produkten beteiligt sind und persönliche und politische Motivationen haben, die Produkte hier zu guten Preisen zu verkaufen. Wo also zu Anfang des FairTrade noch eine relativ direkte Beziehung zwischen Produzent*innen und Konsument*innen möglich war, ist das bei Fair Trade- Produkten im Supermarkt komplett entkoppelt. Es wir dadurch intransparenter und weniger emotional. Wenn ich als Konsument*innen nichts über die Produzent*innen weiß und keinen Bezug zu ihnen habe, habe ich vielleicht aber auch weniger Verständnis, wenn die Produktionskosten und damit auch die Preise steigen. 

Kleine Läden mit Ansätzen von direkten Handelsbeziehungen verlieren außerdem dadurch ihre Absatzmärkte, denn es gibt quasi keinen Grund mehr, dort einzukaufen, wenn man vermeintlich auch genauso faire Produkte im Supermarkt bekommt.

Greenwashing

Nicht beachtet bei der FairTrade–Zertifizierung wird der Teil der Handelskette, der in Deutschland passiert. Ein Supermarkt, der fair produzierte Produkte verkauft, kann schlechte Arbeitsbedingungen für seine Angestellte haben; Die Zwischenhändler*innen, Ausliefer*innen, Hafenarbeiter*innen etc. die auch an der Lieferkette beteiligt sind, werden bei der Produktzertifizierung nicht beachtet. Supermärkte können trotzdem vom guten Image des FairTrade-Labels profitieren und werde von den Konsument*innen vermutlich als fairer, nachhaltiger etc. angesehen und können so ihren Absatz steigern.

Koloniale Kontinuitäten

Trotz guter Ansätze werden zentrale Problematiken des Welthandels auch durch FairTrade nicht aufgelöst; Welche Standards für FairTrade-Betriebe gelten wird mehrheitlich im globalen Norden entschieden, Menschen im globalen Süden müssen diesen Vorgaben folgen, wenn sie an den Geschäften beteiligt werden wollen. So werden koloniale Kontinuitäten nicht aufgelöst sondern bestehen weiter. Es bleibt auch weiterhin ein Großteil des erwirtschafteten Geldes in den Absatzländern. Verschiedene Zwischenhändler*innen und auch das zertifizierende Unternehmen verdienen an den Produkten mit und nur ein kleiner Teil des Geldes kommt bei den Produzent*innen an.

Wir versuchen es anders

Es sprechen also, trotz der guten Grundidee, viele Dinge gegen das Benutzen von Siegeln. Wir nutzen deshalb keine Art von Siegeln für unseren Kaffee obwohl er die meisten Kriterien der gängigen Siegel erfüllen würde.

Wir stehen in direktem Kontakt mit den Anbauenden und handeln alle Bedingungen des Kaufs gemeinsam aus. Durch die direkte Kommunikation können wir gemeinsam auf geänderte Situationen und Herausforderungen reagieren.

Unsere große Aufgabe hier vor Ort ist es dann, den Konsument*innen auch ohne Siegel die Informationen über den Kaffee und die Anbauenden zugänglich zu machen. Deshalb verstehen  wir die Öffentlichkeitsarbeit als einen sehr wichtigen Teil unserer Arbeit.

 

Quellen und Links

https://www.coffeecircle.com/de/e/fair-trade-kritik

https://www.coffeecircle.com/de/b/bio-siegel-kaffee

https://www.coffeecircle.com/de/b/fairtrade-enttaeuschung

https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/kaffee-barometer-nachhaltigkeit-ungleichheit-100.html

https://www.cafe-libertad.de/kritik-und-grenzen-des-fairen-handels

https://mascolombia.com/productores-de-cafe-de-colombia-piden-precios-justos-en-dura-carta-al-parlamento-europeo/

Brot für die Welt – Mit bitterem Beigeschmack

Faire Handelspraktiken und existenzsichernde Einkommen – eine Chance für den Kaffeesektor?

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Infovortrag im Rahmen der Fairen Wochen 2024

Infoveranstaltung im Rahmen der Fairen Wochen 2024
Wir berichten euch von den Kooperativen, die den Kaffee in Ecuador, Mexiko und Kolumbien anbauen.
Wir wollen über aktuelle Herausforderungen im Kaffeeanbau und langbestehende solidarische Netzwerke sprechen.
Gerne möchten wir mit euch über solidarischen und direkten Handel diskutieren. Kommt vorbei!
Dienstag 24.9. 19:30 Uhr FuturIII Grabenstr.4

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Bericht über Besuch einer Delegation des CRIC und der CENCOIC in Hamburg

Anfang Juli hatten wir die Gelegenheit Vertreter*innen des CRIC und CENCOIC aus Kolumbien in Hamburg zu treffen. Von der Kaffeekooperative CENCOIC beziehen wir unsere hochwertigen Arabica-Bohnen.

Für uns war es eine besondere Gelegenheit mit Hernán Castellanos und Paola Reyes als Vertreter*innen der Kaffeekooperative sowie mit Jaime Juspian und Wilfer Sagal als Vertreter des Regionalen Rats der Indigenen im Cauca in Austausch zu kommen.
Zunächst habe wir uns bei unseren Freund*innen von Aroma Zapatista getroffen, um über die aktuellen Entwicklungen im Kaffeehandel und -anbau zu sprechen. Dabei haben wir uns auch gemeinsam aktuelle Verkaufszahlen hierzulande angeguckt.
Außerdem haben die Vertreter*innen der CENCOIC davon berichtet, dass sie ihre Expertise ausbauen, selbst Kaffee zu rösten, vor allem für den Markt in Kolumbien, aber auch ein erster Export von kleinen Mengen gerösteten Kaffee in die USA erfolgt ist.

Besuch des CRIC und der CENCOIC
Delegation der CRIC und CENCOIC in Hamburg mit Kollektivistas von Aroma Zapatista und la gota negra

Viele Herausforderungen

Auch über die insgesamt schwierige Situation vor allem wegen zunehmender Gewalt in der Region durch das organisierte Verbrechen wurde uns erzählt. Es gibt immer wieder Morde an lokalen Aktivist*innen, so wie Zwangsrekrutierungen und Anwerbung von Jugendlichen zu bewaffneten Gruppen oder zum Anbau illegaler Coca-Pflanzen zur Weiterverarbeitung zu Kokain.

Die CENCOIC versucht dagegen zu steuern, zum Beispiel indem sie Ausbildungsprogramme für Jugendliche in verschiedenen Bereichen ausbaut, darunter Kaffeeanbau und Weiterverarbeitung.

Parallelen und Verbindungen zwischen dem Cauca und Hamburg

Außer diesem Austausch gab es während des Besuches noch weitere Programmpunkte, wie der Besuch bei Vertreter*innen der Linksfraktion. Hier gab es einen sehr guten Austausch zum Thema Drogenanbau- und handel und Kriminalisierung von Drogenkonsument*innen hier vor Ort. Diese Verbindung von Drogenkonsum hier und ansteigender Gewalt dort ist sicherlich nicht allen bewusst und beide Seiten waren sich einig, dieses Thema weiter in die Öffentlichkeit zu rücken.
Auch die öffentliche Veranstaltung im Café Knallhart war ein Highlight des Besuches, so hatten auch andere interessierte Personen die Möglichkeit über die Situation vor Ort zu erfahren und in Austausch zu treten.

Insgesamt haben wir uns sehr über den Besuch gefreut und begreifen das als einen wichtigen Teil unserer Arbeit, der zu direkten und solidarischen Beziehungen beiträgt. Und letztendlich macht es allen mehr Freude in persönlicher Atmosphäre am selben Tisch zu sitzen und so persönliche Beziehungen (weiter) aufzubauen.

Bericht des CRIC

Auf ihrer Homepage hat auch der CRIC einen kurzen Bericht publiziert, den wir für euch ins Deutsche übersetzt haben. Das spanische Original findet ihr hier: https://www.cric-colombia.org/portal/programa-economico-ambiental-cric-cafe-alemania-cric-cauca/)

 

Das ökonomisch-ökologische Projekt des CRIC möchte den Markt für Kaffee in Deutschland erweitern

In dem Bestreben, die produktive Dynamik der indigenen Gemeinden des Cauca zu stärken und sich auf dem internationalen Markt zu konsolidieren, führte der Regionale Indigene Rat des Cauca (CRIC) eine Geschäftsreise nach Hamburg (Deutschland) durch. Hauptziel dieser Initiative war es, in Zusammenarbeit mit der Central Cooperativa Indígena del Cauca (CENCOIC) neue Abnehmer für den Kaffee zu finden, der von den dem CRIC angeschlossenen Gemeinschaftsunternehmen produziert wird.

Laut Wilfer Sagal Medina, dem Leiter des Umweltwirtschaftsprogramms des CRIC, ist diese Strategie Teil eines umfassenden Plans zur Positionierung von mehr als 700 indigenen Familien aus fünf Zonen des Cauca auf dem internationalen Markt. Mit diesem Schritt sollen nicht nur die wirtschaftlichen Bedingungen der Kaffee anbauenden Familien verbessert, sondern auch nachhaltige und umweltverträgliche Praktiken in der Kaffeeproduktion gefördert werden.

Das Programm sieht auch die Bereitstellung von technischer Hilfe und die Verbesserung der produktiven Infrastruktur für rund 3 200 Kaffeebäuer*innen in den indigenen Gebieten vor. Diese Maßnahmen sollen die Qualität des Kaffees verbessern, die Produktivität steigern und sicherstellen, dass die vom internationalen Markt geforderten Standards erfüllt werden.

 

 

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Kolumbien: Ehemaliger Koordinator der Guardia Indígena des Cauca ermordet

Hier ist Albeiro Camayo zu sehen, ein Koordinator der Guardia Indigena im CaucaLas Delicias, Cauca. Am 24 Januar ist Albeiro Camayo im indigenen Selbstverwaltungsgebiet Las Delicias ermordet worden. Kräfte der bewaffneten Gruppierung Columna Móvil Jaime Martínez drangen in das Gebiet ein, bedrohten die Bevölkerung und erschossen den 42-jährigen hochgeschätzten Gemeindeaktivisten und Menschenrechtsverteidiger.

Diese Gruppierung bedroht seit einigen Jahren das Selbstverwaltungsgebiet, das im Indigenen Regionalrat des Cauca CRIC organisiert ist. Die abtrünnige Einheit der ehemaligen Farc-Guerilla erkennt den 2016 geschlossenen Friedensvertrag nicht an, sie wird als im Dienste der Drogenmafia stehend angesehen.

Camayo war bis 2021 einer der Koordinatoren der Guardia Indígena des Cauca. Seit ihrer Gründung spielte er eine zentrale Rolle bei Aufbau und Entwicklung dieses zivilen, unbewaffneten Selbstverteidigungsmechanismus der indigenen Gemeinden in diesem Landesteil. Mit ihr schützt die Bevölkerung sich und ihr Land gegen staatliche und nichtstaatliche Gewaltakteure.

Camayo ist bereits der zehnte Aktivist, der seit Jahresbeginn in Kolumbien ermordet wurde – und der 1.296-igste seit dem Friedensabkommen 2016. In Las Delicias waren zehn Tage zuvor Guillermo Chicame, ebenfalls Guardia Indigena, und David Cucuñame, Teil der Jugend-Guardia, von derselben bewaffneten Gruppe getötet worden. Ende November erschossen sie Marcos Camayo, ehemaliger oberster Repräsentant des Selbstverwaltungsgebietes und Bruder von Albeiro. Hunderte indigene Amtsträger:innen sowie Mitglieder der Guardia Indígena wurden in den letzten Jahren bedroht und ermordet (amerika21 berichtete).

Zur Beerdigung von Camayo kamen mehrere hundert Menschen in Las Delicas zusammen, unter ihnen viele Guardias und Repräsentant:innen der Bewegung. Sie ehrten den Nasa-Indigenen, der seit seiner Kindheit in der Guardia Indígena aktiv war, für seinen unermüdlichen Einsatz zum Schutz der Gemeinden und des Landes. Gleichzeitig setzte die indigene Bewegung ein entschlossenes Zeichen, die Bevölkerung von Las Delicias zu unterstützen.

In einer Erklärung prangerte die Bewegung „die dramatische humanitäre Lage im Norden des Cauca“ an, „verursacht durch die Kämpfe von legalen und illegalen bewaffneten Gruppen und ihre systematischen Angriffe auf unsere Gemeindemitglieder, Amtsträger und insbesondere Guardias Indigenas“. Sie verurteilte die Columna Móvil Jaime Martínez als „Mörderbande bezahlt vom Drogenhandel“. Gleichzeitig machte sie die Regierung von Iván Duque sowie die mit ihnen verbundenen politischen und wirtschaftlichen Eliten für die Lage verantwortlich. Ihre Agenda sei es, den Friedensvertrag „zu zerreißen“, um „den Krieg als Grundlage ihrer Politik und ihrer Gewinne fortzuführen“. Für einen wirklichen Frieden brauche es soziale Investitionen, Landumverteilung und die Umsetzung von getroffenen Vereinbarungen.

Die Regierung eröffnet ehemaligen Kämpfer:innen keine wirtschaftliche Perspektive, sodass viele sich nun der Drogenwirtschaft andienen. Die extrem ungleiche Landverteilung und die Marktstrukturen wurden nicht angetastet, wodurch Koka und Marihuana oft die einzigen rentablen landwirtschaftlichen Produkte sind.

Die Gemeinden sehen sich als Zielscheibe, weil sie sich mit ihren selbstverwalteten Strukturen und zivilen Mitteln gegen den Missbrauch ihres Landes durch bewaffnete Gruppen stemmen. Diese rekrutierten außerdem Jugendliche aus dem Gemeinden, nutzten damit die ökonomische Marginalisierung aus und zielten auf deren Spaltung ab. Aber auch Armee und Polizei respektierten die Rechte und das Leben der Gemeinden nicht.

03.02.2022 von Martin Mäusezahl erschienen auf www.amerika21.de

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https://amerika21.de/2022/02/256678/kolumbien-koordinator-guardia-indigena

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Interview mit Eliseth Peña zur indigenen Guerilla Quintín Lame

Bei der mündlichen Überlieferung geht vieles verloren

Interview mit Eliseth Peña, Regisseurin des Films „Der letzte Kommandant der Quintines“

Eliseth Peña (Jahrgang 1991) ist kolumbianische Journalistin und nur durch Zufall darauf gekommen, dass ihre Eltern der ersten indigenen Guerilla Lateinamerikas angehörten. Das Movimiento Armado Quintín Lame war im Cauca, der Region im Süden Kolumbiens, aktiv. Dessen Geschichte und damit auch die ihrer Eltern hat sie filmisch rekonstruiert.

Ein Interview von Knut Henkel

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