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9. Tag

Heute hatten wir ein Gespräch mit zwei Vertreter*innen des Obersten Rates des CRIC im „großen Haus“, dem Sitz des CRIC in Popayán. Dort gab es ein großes Wandbild mit den drei zentralen historischen Persönlichkeiten, auf die sich der Kampf der indigenen Gemeinden für Selbstverwaltung und ihre Rechte bis heute bezieht: La Gaitana (16. Jahrhundert), Juan Tama (17./18. Jahrhundert) und Quintín Lame (frühes 20. Jahrhundert)



Wir trafen uns dort mit den Ratsmitgliedern Jhoe Sauca und Rosalba Velasco. Sie erzählten uns über die aktuellen Entwicklungen im CRIC. Die weitere Konstruktion und Festigung der eigenen Wirtschaftsstrukturen ist eins der wichtigsten Ziele für die indigenen Gemeinschaften, um mehr und mehr Unabhängigkeit zu erreichen.

Daraufhin spazierten wir ein paar Hauseingänge weiter und trafen hier das Ratsmitglied Jaime Juspian, der für den Bereich Wirtschaft und Umwelt zuständig ist. Er erklärte uns ausführlicher die Pläne und die Wichtigkeit, eine eigenes Industriegebiet aufzubauen und so die Weiterverarbeitung und den Vertrieb in der eigenen Hand zu haben. Denn nur so bleibt der Gewinn aus den Ernten und den Rohstoffen ihrer Territorien auch bei ihnen und nur so können die Produzent*innen faire Preise für ihre Produkte erhalten.

Außerdem zeigten zwei Mitarbeiter aus der Abteilung eigene Wirtschaft und Umwelt uns eine Präsentation zu ihren aktuellen Projekten und wie sie Wirtschaft und Umwelt zusammen denken wollen. Und wir schauten einen Werbefilm über den eigenen indigenen Tourismus, der auf den Grundsätzen der Bewegung beruht und den Gemeinden zugute kommen soll.

Zum Mittagessen gingen wir dann in das Haus der Kooperative „Buen Vivir“. Es gab frittierte Forelle, natürlich mit Reis und Kochbananen sowie einer leckeren Suppe. Tito Arbey , der Geschäftsführer der Kooperative, nahm uns herzlich in Empfang und berichtete uns während des Essens, über die Verbesserung der Selbstversorgung der Gemeinden durch die Vermarktung und Weiterverarbeitung der eigenen Produktion. In dem Haus der „Buen Vivir“ gibt es neben dem Restaurant für alle Mitarbeitenden des CRIC, einen Laden mit den Produkten die sie verkaufen und einige Büros.

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10. Tag

In den 10. Tag unseres Besuches starteten wir auf der Finca der Abteilung für die Frauen* des CRIC, dem „Programa Mujer CRIC“, mit einem Ritual zur Harmonisierung unter Leitung von Mayora Ortencia Dombe.
(mayora oder mayor werden die weisen, respektierten Gemeinde-Ältesten genannt)

Die Finca hat 35 Hektar und ist seit 2021 in der Hand der Frauen-Organisierung innerhalb des CRIC. Es ist ein weitläufiges, grünes Gelände. Hier betreiben sie Klein- und Großviehhaltung, bauen Gemüse, Kochbananen und vielerlei Heilpflanzen an. Dies geschieht zur Selbstversorgung der Abteilung – außerdem werden zusammen mit dem kolumbianischen Institut für berufliche Bildung SENA Kurse für Frauen aus den indigenen Gemeinden angeboten, um deren wirtschaftliche Selbstständigkeit zu stärken. Und mit den Heilkräuter wird die Verbindung der Frauen* zur Spiritualität belebt. In Zukunft wird hier auch Kaffee angepflanzt – dabei möchte auch das Team der CENCOIC gerne mit Wissen und Tat unterstützen.

Lest mehr zum Programma Mujer in diesem Artikel.

Mayer Sánchez, die Koordinatorin der Frauen-Organisierung des CRIC, und ihre Kolleginnen erzählen uns eindringlich das sie sich dafür einsetzen, dass Übergriffe auf Frauen ernst genommen und als „Notfall“ behandelt werden müssen, und dass es Nachforschung seitens der Selbstverwaltungsstrukturen sowie juristische Folgen geben muss, wenn Männer gewalttätig sind.

Neben vielen Treffen für Frauen, in denen sie sich austauschen, stärken und psychologisch sowie spirituelle Betreuung erhalten, initiierte die Frauen-Abteilung vor zwei Jahren eine Männerschulung, um gemeinsam ins Gespräch zu kommen über die Ursachen und Folgen patriarchaler Strukturen in den indigenen Gemeinden. 40 Männer aus den verschiedenen anderen Strukturen des CRIc und den Selbstverwaltungen haben mitgemacht.

Es folgte ein Bericht von Natalia, die für die Beobachtungsstelle gegen Frauengewalt des Programa Mujer verantwortlich ist. Dafür werden Berichte von den Selbstverwaltungsstrukturen, der indigenen Krankenkasse sowie der lokalen Frauen-Gruppen zusammengetragen und systematisiert.

In unserem Gespräch gibt es viel Zeit für Nachfragen und Austausch. Gerade in Bezug auf die Kaffeeproduzierenden interessiert uns, wie wird das ökonomische Unabhängigkeit der Frauen gewährleistet wird. Meist haben die Männer die Landtitel. Es gibt generell viele wirtschaftlich orientierte Basisinitiativen von indigenen Frauen, dennoch ist es wichtig die Forderungen nach finanzieller Unabhängigkeit sichtbarer zu machen und die Initiativen zu vernetzen – hierzu gab es letztes Jahr das erste Vernetzungstreffen. Die Frauen-Abteilung des CRIC kämpft dafür, dass Frauen für ihre Arbeit ihren eigenen Lohn erhalten, normalerweise entscheidet der Mann über das Geld, bei Scheidungen haben Frauen wenig ökonomische Rechte.

Letztes Jahr hat auf der Finca der Frauen ein Vernetzungstreffen für indigene Frauen aus Abya Yala (der indigener Name für Lateinamerika) stattgefunden. Die Frauen erzählen, dass es eine super schöne und wertvolle Zusammenkunft war.

Das Programa Mujer CRIC macht außerdem sehr viel Öffentlichkeitsarbeit. In den letzten Jahren wurden drei Dokus produziert und auf internationalen Filmfestivals gezeigt. Themen sind „Frauen in der Guardia Indígena“ (siehe Berichte der nächsten beiden Tage), „30 Jahre Programa Mujer CRIC“ und „Frauen im CRIC“. Außerdem haben sie ein Radio-/Podcast-Serie gemacht. In jedem der 10 Folgen wird eine Form von Gewalt gegen Frauen anhand einer fiktiven Erfahrung dargestellt und anschließend politische Forderungen der Frauen formuliert.

Der Podcast wurde in den lokalen Radiosendern der Bewegung ausgestrahlt, die in den indigenen Gemeinden viel gehört werden. Von verschiedenen lokalen Selbstverwaltungen gab es daraufhin Kritik, dass die Themen zu hart und direkt angesprochen wurden und die Sendung zur Familien-Sendezeit ausgestrahlt wurde, das Programa Mujer aber sagte: es soll alle erreichen, deswegen ist eben genau diese Sendezeit gut.

Die Abschlussworte sprach Majora Ortencia Dombe: „Spiritualität ist sehr wichtig für indigene Gemeinden. Sie müssen ihre eigenen Wurzeln finden, nach innen schauen. Die Erziehung der Kinder muss sich ändern, um Machismo zu bekämpfen, wir müssen die Sachen aussprechen, um sie zu heilen, hier in der Finca der Frauen, haben viele Frauen auch alte Frauen, die noch nie über ihre Erfahrungen gesprochen haben, zum ersten mal darüber gesprochen und sich auf dem Weg der Heilung begeben. Das Reden hat sie bestärkt und zu den eigenen Wurzeln zurückgeführt.“

Zu Mittag aßen wir alle gemeinsam in einer wunderschönen Außenküche zwischen den Kuhwiesen mit weitem Blick über die Felder. Zum Abschied bekamen wir alle eine Flasche Wein, Kaffee, ein T-Shirt des Programa Mujer und ein CRIC-Halstuch geschenkt. Wir waren sehr gerührt von dieser Geste und machten ein schönes gemeinsames Abschlussfoto.

Am Nachmittag besuchten wir die am Stadtrand von Popayán gelegene bewegungseigene Interkulturelle Indigene Autonome Universität UAIIN. In der Tulpa, dem spirituellen Herz der Universität, erzählte uns Rosalba Ipia, eine der Koordinator*innen der Universität, sowie zwei der Mayores, die die Tulpa betreuen, von den Ursprüngen, dem Charakter und den Zielen dieser einzigartigen Institution.

Mehr dazu findet ihr in diesem Artikel und im Kurzfilm, den der Kommunikationsstudiengang über die Uni produziert hat.

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Warum unser Kaffee kein Siegel hat

Wir haben uns dafür entschieden keine Siegel für unseren Kaffee zu verwenden. Dafür gibt es verschiedene Gründe, die manchmal nicht so einfach zu erklären sind.

Denn viele Menschen, die beim Kauf auf bestimmte Kriterien achten wollen, orientieren sich an Siegeln. Ein Produkt ohne Siegel ist vermeintlich automatisch schlechter, weniger nachhaltig, weniger fair. Das das nicht der Fall ist, möchten wir mit unserem Kaffee beweisen 🙂

Wir nutzen kein Siegel – das heißt nicht, dass wir Siegel grundsätzlich schlecht finden

Der Ansatz an sich ist gut, denn Siegel sollen ja Produkte ausweisen, die in bestimmten Aspekten besser produziert werden als konventionelle Produkte. Sie sind also zum Beispiel ökologischer produziert, es wird auf das Tierwohl geachtet oder auf faire Arbeitsbedingungen. Je nachdem können Siegel sehr hohe Kriterien ansetzen oder eher niedrige. Das Einführen eines Siegels ist eigentlich das Zugeständnis, dass die derzeitige Art des Produzierens und Handels nicht nachhaltig ist und so nicht weitergehen sollte. Das können wir unterschreiben und deshalb ist die Idee eines Siegels erstmal eine gute Sache.

Unüberschaubarer Siegelwald

Es gibt allerdings sehr viele Siegel. In Deutschland sind das inzwischen über 1000. Sehr viele beziehen sich auf den Lebensmittelhandel, es gibt aber auch vielfältige Siegel für Kleidung, technische Geräte, Papier und vieles mehr.

Die Vielzahl der Siegel macht es quasi unmöglich, alle zu kennen und einen Überblick zu behalten. Die wenigsten werden mehr als eine Handvoll Siegel kennen geschweige denn die Kriterien dahinter.

Keine Einheitlichkeit, keine Kontrolle

Viele Begriffe sind auch nicht geschützt, wie z.b. bio, fair, nachhaltig. Diese Begriffe können also frei genutzt werden und was sich genau jeweils dahinter verbirgt, muss ich als Kund*in dann auf der Verpackung oder gegebenenfalls auf einer Homepage nachlesen – das machen die meisten ehrlicherweise wahrscheinlich nicht und so können viele Marken/Supermärkte vom Ruf dieser Begriffe profitieren, ohne unbedingt die Kriterien zu erfüllen (also z.b. beim Begriff bio denken die meisten dann an das EU-Biosiegel und haben dazu vielleicht ungefähr im Kopf was es bedeutet und vermuten dann bei dem Begriff bio auch ein nach ähnlichen Kriterien produziertes Produkt)

Es gibt auch keine zentrale Stelle, die das Einhalten der Siegel überprüft. Die Bundesregierung hat zwar inzwischen eine Onlineplattform, um Siegel zu vergleichen und es einfacher zu machen, die Erfüllung der Kriterien zu überblicken, aber die Plattform ist nicht vollständig und vermutlich auch nicht besonders bekannt.

Für und Wider des Fair Trade -Siegels

Konkret für unseren Kaffee würden als Siegel vor Allem das EU-Biosiegel und das FairTrade-Siegel in Betracht kommen.

Viele der Kriterien für das FairTrade-Siegel stimmen mit unseren Prinzipien überein, wie z.B. eine angemessene Bezahlung oder die Organisierung in demokratischen Strukturen der Anbauenden. Allerdings fallen für die Produzent*innen Gebühren für die Zertifizierung als FairTrade-Betrieb an; Dafür kann der Kaffee danach zu Preisen über Weltmarktniveau verkauft werden. Diese Gebühren sind allerdings hoch, er liegt oft bei mehreren hundert Dollar. Vor Allem bei den allerkleinsten Betrieben, die nur knapp am Existenzminimum wirtschaften, ist kein Geld für derlei Investitionen übrig. Denn das Geld für die Zertifizierung muss bezahlt werden, lange bevor man dann den Kaffee zu Fairtrade-Preisen verkaufen und damit höhere Einnahmen generieren kann. So werden dann eher größere Betriebe gefördert, die sich diese Investition leisten können. Zusätzlich zu den Zertifizierungskosten für den Betrieb, fällt auch eine Gebühr pro Kilo Kaffee an, den man nach FairTrade-Standards produziert.

Außerdem gibt es keine Abnahmegarantie; Man hat durch die Zertifizierung zwar die Möglichkeit, den Kaffee zu höheren Preisen zu verkaufen, es ist aber dadurch nicht automatisch gesichert, dass dann auch jemand kommt und zu dem Preis kauft. Wenn es schlecht läuft, hat man den Kaffee zertifiziert und somit höhere Produktionspreise pro Kilo Kaffee und kann den Kaffee dann trotzdem nur zum Weltmarktpreis verkaufen. So kann im schlechtesten Fall FairTrade-Zertifizierung sogar eine Armutsfalle sein, wenn man z.B. einen Kredit aufgenommen hat um die Zertifizierung zu bezahlen und dann das Geld nicht reinkommt.

Problematische Koppelgeschäfte im Kaffeehandel

In den letzten Jahren hat sich außerdem leider eine problematische Praxis etabliert, die sogenannten Koppelgeschäfte, auf spanisch „combos“. Hierbei bieten große Händler*innen den Anbauenden an einen Teil x des FairTrade-zertifizierten Kaffee zu FairTrade-Preisen abzunehmen, dafür bekommen sie aber einen anderen Teil y zu einem deutlich niedrigeren Preis. Im Durchschnitt verdienen die Anbauenden dann pro Kilo Kaffee also deutlich unter dem FairTrade-Niveau. Diese Praxis ist möglich, weil die Nachfrage für Fairtrade-Kaffee nicht hoch genug ist und die Anbauenden nicht sicher sein können, ihren zertifizierten Kaffee auch verkaufen zu können. Sie lassen sich dann vielleicht lieber auf dieses schlechte Koppelgeschäft ein, als am Ende vielleicht gar keinen Kaffee zu hohen Preisen verkaufen zu können.

Umstellungsprozess auf bio ist langwierig

Ähnliches gilt für das Bio-Siegel. Die Kaffeeproduzent*innen müssen Gebühren bezahlen um sich als Biokaffeebetrieb zertifizieren zu lassen; ob sie den Kaffee dann wirklich zu höheren Preisen verkaufen können, ist vorher nicht klar.  Bei bio dauert es drei Jahre, bis man den Zertifizierungsprozess durchlaufen hat, solange bekommt man noch den konventionellen Preis für den Kaffee. Wenn man vorher konventionell produziert hat, sinkt meist erstmal die Produktionsmenge. Diesen Verdienstausfall über die Zeit, bis der Kaffee zertifiziert ist und den höheren Preis erhält, muss man sich leisten können bzw. sehr kleine Betriebe ohne Rücklagen sind davon quasi ausgeschlossen. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, für den sogenannten Umstellungskaffee, also die Übergangsszeit der drei Jahre, auch schon höhere Preise zu zahlen, um den Bio-Zertifizierungsprozess für mehr Kaffeebäuer*innen zugänglich zu machen.

Welche Siegel für ihren Kaffee in Betracht kommen, müssen aber auch die Anbauenden selbst erstmal entscheiden und abwägen, denn die meisten Siegel sind dann nur regional nutzbar z.B. gilt das EU-Biosiegel nicht in den USA etc. Man muss also langfristig einschätzen, was sich lohnt und wo man den Kaffee absetzen wird – sehr schwierig, gerade für kleine Betriebe.

Machtkonzentration bei den Supermarktketten

Ein weitere Punkt ist, dass es seit einiger Zeit FairTrade-Produkte in so gut wie allen großen Supermärkten gibt. Die Produkte sollen so mehr Menschen zugänglich gemacht werden und durch größeren Absatz auch den Anbauenden helfen, weil sie ja dann mehr Produkte zu guten Preisen verkaufen können.

Entstanden ist FairTrade eigentlich aus direkten Handelsbeziehungen, bei denen Menschen hier, meist in Ehrenamtsarbeit, Produkte direkt kaufen um soziale Bewegungen zu unterstützen (also sehr ähnlich zu unserem Ansatz). Diese Produkte wurden dann in kleinen Läden wie z.B. Eine-Welt-Läden verkauft. Wer hier einkauft, kann meist mit Menschen sprechen, die direkt an dem Handel mit den Produkten beteiligt sind und persönliche und politische Motivationen haben, die Produkte hier zu guten Preisen zu verkaufen. Wo also zu Anfang des FairTrade noch eine relativ direkte Beziehung zwischen Produzent*innen und Konsument*innen möglich war, ist das bei Fair Trade- Produkten im Supermarkt komplett entkoppelt. Es wir dadurch intransparenter und weniger emotional. Wenn ich als Konsument*innen nichts über die Produzent*innen weiß und keinen Bezug zu ihnen habe, habe ich vielleicht aber auch weniger Verständnis, wenn die Produktionskosten und damit auch die Preise steigen. 

Kleine Läden mit Ansätzen von direkten Handelsbeziehungen verlieren außerdem dadurch ihre Absatzmärkte, denn es gibt quasi keinen Grund mehr, dort einzukaufen, wenn man vermeintlich auch genauso faire Produkte im Supermarkt bekommt.

Greenwashing

Nicht beachtet bei der FairTrade–Zertifizierung wird der Teil der Handelskette, der in Deutschland passiert. Ein Supermarkt, der fair produzierte Produkte verkauft, kann schlechte Arbeitsbedingungen für seine Angestellte haben; Die Zwischenhändler*innen, Ausliefer*innen, Hafenarbeiter*innen etc. die auch an der Lieferkette beteiligt sind, werden bei der Produktzertifizierung nicht beachtet. Supermärkte können trotzdem vom guten Image des FairTrade-Labels profitieren und werde von den Konsument*innen vermutlich als fairer, nachhaltiger etc. angesehen und können so ihren Absatz steigern.

Koloniale Kontinuitäten

Trotz guter Ansätze werden zentrale Problematiken des Welthandels auch durch FairTrade nicht aufgelöst; Welche Standards für FairTrade-Betriebe gelten wird mehrheitlich im globalen Norden entschieden, Menschen im globalen Süden müssen diesen Vorgaben folgen, wenn sie an den Geschäften beteiligt werden wollen. So werden koloniale Kontinuitäten nicht aufgelöst sondern bestehen weiter. Es bleibt auch weiterhin ein Großteil des erwirtschafteten Geldes in den Absatzländern. Verschiedene Zwischenhändler*innen und auch das zertifizierende Unternehmen verdienen an den Produkten mit und nur ein kleiner Teil des Geldes kommt bei den Produzent*innen an.

Wir versuchen es anders

Es sprechen also, trotz der guten Grundidee, viele Dinge gegen das Benutzen von Siegeln. Wir nutzen deshalb keine Art von Siegeln für unseren Kaffee obwohl er die meisten Kriterien der gängigen Siegel erfüllen würde.

Wir stehen in direktem Kontakt mit den Anbauenden und handeln alle Bedingungen des Kaufs gemeinsam aus. Durch die direkte Kommunikation können wir gemeinsam auf geänderte Situationen und Herausforderungen reagieren.

Unsere große Aufgabe hier vor Ort ist es dann, den Konsument*innen auch ohne Siegel die Informationen über den Kaffee und die Anbauenden zugänglich zu machen. Deshalb verstehen  wir die Öffentlichkeitsarbeit als einen sehr wichtigen Teil unserer Arbeit.

 

Quellen und Links

https://www.coffeecircle.com/de/e/fair-trade-kritik

https://www.coffeecircle.com/de/b/bio-siegel-kaffee

https://www.coffeecircle.com/de/b/fairtrade-enttaeuschung

https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/kaffee-barometer-nachhaltigkeit-ungleichheit-100.html

https://www.cafe-libertad.de/kritik-und-grenzen-des-fairen-handels

https://mascolombia.com/productores-de-cafe-de-colombia-piden-precios-justos-en-dura-carta-al-parlamento-europeo/

Brot für die Welt – Mit bitterem Beigeschmack

Faire Handelspraktiken und existenzsichernde Einkommen – eine Chance für den Kaffeesektor?

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Infovortrag im Rahmen der Fairen Wochen 2024

Infoveranstaltung im Rahmen der Fairen Wochen 2024
Wir berichten euch von den Kooperativen, die den Kaffee in Ecuador, Mexiko und Kolumbien anbauen.
Wir wollen über aktuelle Herausforderungen im Kaffeeanbau und langbestehende solidarische Netzwerke sprechen.
Gerne möchten wir mit euch über solidarischen und direkten Handel diskutieren. Kommt vorbei!
Dienstag 24.9. 19:30 Uhr FuturIII Grabenstr.4

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Bericht über Besuch einer Delegation des CRIC und der CENCOIC in Hamburg

Anfang Juli hatten wir die Gelegenheit Vertreter*innen des CRIC und CENCOIC aus Kolumbien in Hamburg zu treffen. Von der Kaffeekooperative CENCOIC beziehen wir unsere hochwertigen Arabica-Bohnen.

Für uns war es eine besondere Gelegenheit mit Hernán Castellanos und Paola Reyes als Vertreter*innen der Kaffeekooperative sowie mit Jaime Juspian und Wilfer Sagal als Vertreter des Regionalen Rats der Indigenen im Cauca in Austausch zu kommen.
Zunächst habe wir uns bei unseren Freund*innen von Aroma Zapatista getroffen, um über die aktuellen Entwicklungen im Kaffeehandel und -anbau zu sprechen. Dabei haben wir uns auch gemeinsam aktuelle Verkaufszahlen hierzulande angeguckt.
Außerdem haben die Vertreter*innen der CENCOIC davon berichtet, dass sie ihre Expertise ausbauen, selbst Kaffee zu rösten, vor allem für den Markt in Kolumbien, aber auch ein erster Export von kleinen Mengen gerösteten Kaffee in die USA erfolgt ist.

Besuch des CRIC und der CENCOIC
Delegation der CRIC und CENCOIC in Hamburg mit Kollektivistas von Aroma Zapatista und la gota negra

Viele Herausforderungen

Auch über die insgesamt schwierige Situation vor allem wegen zunehmender Gewalt in der Region durch das organisierte Verbrechen wurde uns erzählt. Es gibt immer wieder Morde an lokalen Aktivist*innen, so wie Zwangsrekrutierungen und Anwerbung von Jugendlichen zu bewaffneten Gruppen oder zum Anbau illegaler Coca-Pflanzen zur Weiterverarbeitung zu Kokain.

Die CENCOIC versucht dagegen zu steuern, zum Beispiel indem sie Ausbildungsprogramme für Jugendliche in verschiedenen Bereichen ausbaut, darunter Kaffeeanbau und Weiterverarbeitung.

Parallelen und Verbindungen zwischen dem Cauca und Hamburg

Außer diesem Austausch gab es während des Besuches noch weitere Programmpunkte, wie der Besuch bei Vertreter*innen der Linksfraktion. Hier gab es einen sehr guten Austausch zum Thema Drogenanbau- und handel und Kriminalisierung von Drogenkonsument*innen hier vor Ort. Diese Verbindung von Drogenkonsum hier und ansteigender Gewalt dort ist sicherlich nicht allen bewusst und beide Seiten waren sich einig, dieses Thema weiter in die Öffentlichkeit zu rücken.
Auch die öffentliche Veranstaltung im Café Knallhart war ein Highlight des Besuches, so hatten auch andere interessierte Personen die Möglichkeit über die Situation vor Ort zu erfahren und in Austausch zu treten.

Insgesamt haben wir uns sehr über den Besuch gefreut und begreifen das als einen wichtigen Teil unserer Arbeit, der zu direkten und solidarischen Beziehungen beiträgt. Und letztendlich macht es allen mehr Freude in persönlicher Atmosphäre am selben Tisch zu sitzen und so persönliche Beziehungen (weiter) aufzubauen.

Bericht des CRIC

Auf ihrer Homepage hat auch der CRIC einen kurzen Bericht publiziert, den wir für euch ins Deutsche übersetzt haben. Das spanische Original findet ihr hier: https://www.cric-colombia.org/portal/programa-economico-ambiental-cric-cafe-alemania-cric-cauca/)

 

Das ökonomisch-ökologische Projekt des CRIC möchte den Markt für Kaffee in Deutschland erweitern

In dem Bestreben, die produktive Dynamik der indigenen Gemeinden des Cauca zu stärken und sich auf dem internationalen Markt zu konsolidieren, führte der Regionale Indigene Rat des Cauca (CRIC) eine Geschäftsreise nach Hamburg (Deutschland) durch. Hauptziel dieser Initiative war es, in Zusammenarbeit mit der Central Cooperativa Indígena del Cauca (CENCOIC) neue Abnehmer für den Kaffee zu finden, der von den dem CRIC angeschlossenen Gemeinschaftsunternehmen produziert wird.

Laut Wilfer Sagal Medina, dem Leiter des Umweltwirtschaftsprogramms des CRIC, ist diese Strategie Teil eines umfassenden Plans zur Positionierung von mehr als 700 indigenen Familien aus fünf Zonen des Cauca auf dem internationalen Markt. Mit diesem Schritt sollen nicht nur die wirtschaftlichen Bedingungen der Kaffee anbauenden Familien verbessert, sondern auch nachhaltige und umweltverträgliche Praktiken in der Kaffeeproduktion gefördert werden.

Das Programm sieht auch die Bereitstellung von technischer Hilfe und die Verbesserung der produktiven Infrastruktur für rund 3 200 Kaffeebäuer*innen in den indigenen Gebieten vor. Diese Maßnahmen sollen die Qualität des Kaffees verbessern, die Produktivität steigern und sicherstellen, dass die vom internationalen Markt geforderten Standards erfüllt werden.

 

 

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30 Jahre Aufstand der Zapatistas!

Was bedeutet die Neustrukturierung und Verteidigung der zapatistischen Autonomie für unsere Kämpfe?

am Sonntag, den 18. Februar in der Mokrystr. 1, Hamburg Wilhelmsburg
13:00 Essen
14:00 Infos, Film und Austausch
16:00 Diskussion mit Kaffee und Kuchen
Im November 2023 gab die EZLN zum 30. Jahrestag ihres bewaffneten Aufstands in Chiapas, Mexiko eine grundlegende Neuausrichtung der autonomen Verwaltungsstrukturen der Zapatistas bekannt.
Nach einer kurzen Einführung zur Geschichte des zapatistischen Aufstands und seinen Auswirkungen auf Mexiko und die weltweite Linke, wollen wir dieses Ereignis zum Anlass nehmen, uns mit Teilnehmer*innen einer Delegation von hier, die bei der Feier vor einigen Wochen in Chiapas dabei waren, gemeinsam über die aktuelle Lage der zapatistischen Autonomie zu informieren und auszutauschen.
Was verbindet uns mit den Zapatistas und was trennt uns vielleicht auch? Wie können wir solidarisch sein und voneinander lernen?
Diese und viele weitere (eure!) Fragen wollen wir im Anschluss in lockerer Atmosphäre diskutieren.
Für Verpflegung ist gesorgt! Um 13:00 gibt es eine Küche für Alle mit Süppchen und Getränken.
Nach dem Infoteil kann ab 16:00 bei Kaffee (aus zapatistischer Produktion) und Kuchen weiter diskutiert werden.
Wir freuen uns auf euch!

Gira Zapatista Gruppe Hamburg   und   Aroma Zapatista