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Transparenzbericht 2025

Liebe alle,

auch in diesem Jahr möchten wir euch einen Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate geben und einen Ausblick auf das Jahr 2026 gewähren.

Im Kollektiv war viel los: Unsere Präsenz in der Rösterei hat stetig zugenommen und wir haben zum ersten Mal offiziell als Kollektiv an einer Reise zur indigenen Bewegung im Cauca teilgenommen. Zudem werden wir in unserem Viertel immer sichtbarer und konnten bereichernde Kooperationen mit anderen Röstereien starten. Aber der Reihe nach…

Reise in den Cauca und Bildungsarbeit
Im Januar 2025 machten sich Mira und Basti gemeinsam mit Chris und Martin vom Kaffeekollektiv Aroma Zapatista auf den Weg in den Cauca. Erstmals konnten sie vor Ort miterleben, wie der Rohkaffee mit großer Sorgfalt angepflanzt, gepflegt, geerntet und zu Pergamin-Kaffee aufbereitet wird. Neben dieser praktischen Erfahrung stand der Austausch mit der indigenen Bewegung und den Kaffeebäuer:innen der Kooperative CENCOIC im Fokus. Die dicht gefüllte Agenda ließ wenig Zeit zum Reflektieren, weshalb die Nachbereitung und der interne Austausch im Anschluss für uns alle besonders wertvoll waren. Wer mehr erfahren möchte, findet den ausführlichen Bericht auf unserer Homepage. Auch bei Veranstaltungen, wie etwa im Serrahn in Bergedorf, konnten wir von unseren Erlebnissen berichten und die Stimmen der Erzeuger:innen hörbar machen.

Broschüre über den CRIC

Neue Broschüre über die Bewegung

Parallel dazu entstand eine Neuauflage der Broschüre über die Bewegung im Cauca. Der Besuch vor Ort wurde genutzt, um direkt mit den Autor:innen und Aktivist:innen ins Gespräch zu kommen. Die Broschüre – ein Gemeinschaftsprojekt mit Aroma Zapatista und engagierten Privatpersonen – bietet eine aktualisierte und umfangreiche Informationsquelle über die Situation im Cauca. Die meisten Artikel wurden von Menschen vor Ort verfasst und anschließend ins Deutsche übersetzt. Weitere Informationen findet ihr unter cauca-indigena.de. Die Broschüre ist in unserem Büro sowie im Webshop erhältlich.

Das Büro als Begegnungsort 
Wir haben in diesem Jahr feste Öffnungszeiten eingeführt: Meist montags (13–17 Uhr) und mittwochs (10–16 Uhr) öffnen wir unser Büro für Kaffeeliebhaber:innen und Interessierte. Neben einem netten Plausch mit den anwesenden Kollektivistas gibt es den Kaffee dort zum Lagerpreis. Zudem füllen wir gerne mitgebrachte Behälter auf, um gemeinsam Verpackungsmaterial und Versandkosten zu sparen.

Preisentwicklung und Marktsituation 
Kaffee unterliegt als börsengehandeltes Produkt leider der Marktlogik und entsprechenden Preisschwankungen. Als Anfang 2025 die Preise global rasant stiegen, gerieten viele konventionelle Röstereien unter Druck und versuchten durch Massenaufkäufe ihre Dumpingpreise zu halten. Für uns bedeutete diese Zeit vor allem: Vertrauen in unsere langjährigen, direkten Beziehungen. Gemeinsam mit den Kollektiven, mit denen wir den Großteil unseres Rohkaffees ko-importieren, konnten wir eine Erhöhung der Rohkaffeepreise um teilweise 3–6 € pro Kilo vermeiden. Dennoch sind auch unsere Kosten gestiegen. Mit dem neuen Import haben wir uns daher entschlossen, unsere Preise zum 01.05.2026 um 1,50 € pro Kilo anzupassen. Eine transparente Preisaufschlüsselung findet ihr wie gewohnt auf unserer Website.

Wachstum und Solidarität in Zahlen 
Unsere Produktionszahlen entwickeln sich positiv: Die Gesamtröstmenge konnte im Vergleich zu 2024 um geschätzt 50 % gesteigert werden. Konkret haben wir aus 5.290 kg Rohkaffee 4.925 kg Röstkaffee produziert. Zusätzlich rösteten wir über 4 Tonnen (4.078 kg) für Aroma Zapatista und starteten die Produktion eines handwerklichen Espressos für das Kollektiv Guancasco Import. Diese Entwicklungen spiegeln sich im Umsatz wider, den wir 2025 mit ca. 160.000 € abschließen konnten (zum Vergleich: 80.000 € in 2023 und 102.000 € in 2024).

Da zu jedem verkauften Kilo Kaffee der Kooperative CENCOIC ein Solibeitrag von 0,50 € gehört, konnten wir 2025 insgesamt 2.369,27 € für die Bewegung im Cauca generieren. Diese Gelder wurden zusammen mit den Beiträgen von Aroma Zapatista übergeben, damit die Bewegung selbstverantwortlich über deren Einsatz entscheiden kann. Zudem haben wir die Vorfinanzierung für kolumbianischen Rohkaffee von 70 % auf 85 % erhöht, um so hoffentlich die Liquidität der Kooperative beim Aufkauf der Ernte zu erhöhen.

Kooperationen und neue Produkte 
Unsere dunkel gerösteten Espressi „Arabica pur“ und „Colectivo“ bleiben die Favoriten. Den „Colectivo“ vertreiben wir seit letztem Jahr intensiv über den Marktplatz von Überlegen. Durch dieses Netzwerk haben wir in Ann-Kathrin von Caraya Cafe eine tolle Partnerin gefunden. Sie importiert den fantastischen „Natural“ aus der Region La Paz (Bolivien), der unserem Espresso Colectivo das gewisse Etwas verleiht.

Im Juli 2025 trafen wir uns im Rahmen der „Corretto“ bei Quijote Kaffee in Hamburg mit verschiedenen Röstereien des Überlegen-Netzwerks. Dieser Austausch führte zu neuen Synergien, wie etwa unserem aktuellen Entkoffeinierungsprojekt: Gemeinsam mit Aroma Zapatista haben wir 6 Tonnen Rohkaffee der CENCOIC mittels der CO2-Methode in Bremen entkoffeinieren lassen. Seither bieten wir regelmäßig solidarischen Decaf-Filterkaffee und Espresso an.

Öffentlichkeitsarbeit und Ausblick 
Auch der direkte Austausch kam nicht zu kurz: Bei Kaffeeständen (z. B. auf der Fusion oder dem Grindelfest) und der Konferenz der Bundeskoordination Internationalismus (BuKo) konnten wir Wissen weitergeben und mit euch ins Gespräch kommen.

Zu guter Letzt haben wir uns intern professionalisiert: Dank entsprechender Fortbildung führen wir unsere Buchhaltung nun eigenständig. Wir verstehen jetzt nicht nur den betriebswirtschaftlichen Fachjargon, sondern haben auch unsere Prozesse rund um die Rechnungslegung fest im Griff.

Wir hoffen auch für das kommende Jahr auf neue Chancen der Zusammenarbeit, der kollektiven Vernetzung und des kämpferischen Miteinanders.

Solidarische Grüße und bis bald,
Eure la gota negras Basti, Lari, Laura, Lisa und Mira

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Robusta-Bohnen aus Uganda

An anderer Stelle habt ihr sicher schon darüber gelesen, dass die Rohkaffeesituation im letzten Jahr sehr besonders war. Viele Röstereien, darunter auch wir, wussten nicht, ob sie die benötigten Mengen Rohkaffee einkaufen und regulär rösten können.

Über die Kaffee-Kooperative (Kaffee Kooperative) aus dem Überlegen-Netzwerk haben wir deshalb einen Robusta-Kaffee gekauft, den wir jetzt für eine begrenzte Zeit für unseren Espresso Colectivo nutzen werden. Begrenzt ist die Nutzung deshalb, weil wir erstmal nur fünf Sack eingekauft haben und zum Glück inzwischen auch wieder ausreichend Robusta von Waylla Kuri aus Ecuador bekommen, eine Kooperative, die wir selbst schon besucht haben und die mit unseren Partner*innen von Quijote Kaffee schon lange erfolgreich zusammenarbeitet.

Wir freuen uns trotzdem sehr, dass wir die Möglichkeit haben, diese ander Robusta-Bohne auszuprobieren und schließen nicht aus, langfristig mit den Kaffeebäuer*innen in Uganda zusammezuarbeiten. Lasst uns also gerne wissen, ob der Kaffee euch schmeckt!

Kaffee-Kooperative arbeitet schon lange erfolgreich mit der Kooperative Rwashoscco aus Runada zusammen und produzieren gemeinsam den Espresso Angeliques Finest. 2024 hat sich die Kooperative dann auch die Suche nach Robusta-Kaffee gemacht, um einen Blend zu produzieren. Sie sind fündig geworden im Nachbarland Uganda, dort wird der Kaffee angebaut von der Zigoti Women and Youth Association. Dies ist ein recht neuer Zusammenschluss von vor allem Frauen, die sich gegenseitig im Kaffeeanbau unterstützen. Der Kaffee wird an allen Stellen mehrheitlich von Frauen produziert und soll explizit der Förderung von Gleichberechtigung im Kaffee-Anbau dienen. Im „Impact Report 2024“ von Kaffee-Kooperative gibt es ausführliche Infos zu den beiden Kooperativen und auch darüber hinaus über den Anteil von Frauen im Kaffeeanbau.

Hier könnt ihr mehr zur Kooperation der Kaffeekooperativen in Uganda und Ruanda nachlesen: Women in Coffee

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12. Tag


Heute hatten wir mehr Zeit für einen Austausch mit der Koordination der Guardia Indígena. Die Guardia Indígena ist ein unbewaffnetes kollektives Schutzsystem, in dem tausende Frauen und Männer ehrenamtlich ihre Gemeinde und ihre Rechte schützen. Ausgerüstet sind sie dabei nur mit einer Weste und dem bastón, einem symbolischen Holzstock. Basierend auf der indigenen Gesellschaftsweise, aus der sie ihre Stärke zieht, ist die Guardia Indígena ein vielfältiger und umfassender Gemeinschaftsprozess: Neben dem Schutz vor Bedrohungen von Außen, stärken sie auch den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinden. Sie kümmern sich um die Bearbeitung interner Konflikte, unterstützen die Selbstverwaltung, machen politische Bildung, stärken die indigene Kultur und sind auch für den Schutz der Natur zuständig. Unser Treffen fand in der großen Halle der Medizinabteilung der CENCOIC in Popayán statt, die aktuell fast leer steht.

Da wir von heute keine Fotos zum Treffen mit der Guardia haben, noch ein paar Fotos vom guardia-Treffen gestern – hier: Fabian und José Oveimar blicken auf die Aufstellung nehmenden Guardias

José Oveimar Tenorio, der politische Koordinator der Guardia, teilte mit uns ihre Analyse des politischen, ökonomischen, militärischen und medialen Kontexts der indigenen Gemeinden des Cauca, die für sie eine wichtige Basis ihres Handelns ist. „Ökonomisch sind wir den verschiedenen Formen des Extraktivismus verbunden mit neoliberalen Politiken ausgesetzt: Monokulturen von Zuckerrohr, Ölpalmen und Holz in den Händen von Monopolen, Bergbau, der Anbau von Pflanzen, aus denen illegale Drogen hergestellt werden können, die Rekrutierung junger Menschen für die bewaffneten Gruppen. Die Folge von all dem ist, dass wir erneut eine Invasion unserer Gebiete erleben – und wir als Guardia Indígena müssen schauen, wie wir dem begegnen. … Der militärische Kontext ist, dass im Cauca verschiedene militärische Strukturen existieren. Es sind bewaffnete Gruppen ohne eine politisch-ideologische Haltung, sie dienen ausschließlich der Drogenwirtschaft und den Gegnern des Friedens und der sozialen Bewegungen. Sie ermorden Dutzende indigene Amtsträger, Dorfälteste, Guardias, sie rauben uns unsere Jugend… Wir sehen, dass es einen Plan zur physischen, politischen und kulturellen Vernichtung der indigenen Bevölkerungsgruppen und der indigenen Bewegung des Cauca sowie der Guardia Indígena gibt.“

Fabian Ulcue, der für die Koordination der Guardia arbeitet, stellt uns anschließend die Grundsätze der Guardia vor: „Die Guardia ist ein kollektiver Prozess, sie ist sehr partizipativ, es nehmen Jungen, Mädchen, Alte, Jugendliche, Frauen, Männer, ob studiert oder nicht, egal welcher Glaubensrichtung teil. Die Guardia bringt die gesamte Gemeinde zusammen. Wir lachen und fühlen gemeinsam, wir nehmen Anteil aneinander, und wir weinen gemeinsam – denn wir haben viele Genossen und Genossinnen von der Guardia verloren, die an unseren Prozessen teilgenommen haben und ermordet wurden. … Unsere Mission ist klar: Unser territorio und das Leben verteidigen, in dem wir den Frieden schützen und aufbauen. Wir sind auch da, wenn es Naturkatastrophen gegeben hat oder wenn es darum geht, ein verletztes Mitglied einer bewaffneten Gruppe oder der Armee zu bergen und vor dem Zugriff einer anderen Gruppe oder der Armee zu schützen – wir Verteidigen das Leben, wir sind ein humanitärer Akteur, keine Konfliktpartei.“

Angesprochen auf unsere Arbeit mit der CENCOIC und der Guardia sagte Fabian: “Dass ihr den Kaffee von den compañeros der Guardias und insbesondere von den Frauen in der Guardia kauft, ist sehr wichtig. Das gibt ihnen wenigstens ein ausreichendes Auskommen und die Motivation weiter zu machen mit der Guardia. Die Drogen- und Kriegswirtschaft will unsere Gemeinden zerreißen und uns unsere Jugendlichen wegnehmen. Es ist wichtig, dass wir als Guardia da etwas entgegen setzen können.” Wir sprachen dann auch noch konkret über die letzten fünf Jahre unserer Zusammenarbeit, die gemeinsamen Prozesse rund um die Gelder für die Bewegung, die die Guardia erhält, und wie es weiter gehen kann.

Auch von der Guardia erhielten wir tolle Geschenke für unsere jeweiligen Kollektivbetriebe: Gewebte Umhängetaschen, eines der zentralen Symbole der Bewegung, und die emblematischen Halstücher der Bewegung.

Im Anschluss ging es mit Hernan und Paola von der CENCOIC um den nächsten Import. Die CENCOIC machte uns den Vorschlag beim vereinbarten Preis aus dem Vorvertrag zu bleiben, obwohl der Rohkaffeepreis gerade extrem hoch ist. Normalerweise ist der Preis beim Vorvertrag nur ein Richtwert und wird beim Abschluss angepasst, damit wir die Risiken eines Einnahmeverlustes der CENCOIC bei steigenden Preisen abfedern können. Sie sagten, dass sie dies tun wollen, um uns in der schwierigen wirtschaftlichen Situation zu unterstützen. Diese Wertschätzung durch die CENCOIC ist nicht hoch genug zu bewerten und wir werden in den nächsten Wochen mit dem Kollektiv schauen, ob wir das Angebot annehmen wollen oder den Preis noch mal erhöhen werden.

In dem Gespräch ging es auch noch mal um andere Preismodelle, die alle Beteiligten noch besser vor den extremen Preisschwankungen an der Börse schützen. Zum Beispiel eine prozentuale Anhebung des Preises für Rohkaffee in jedem Jahr. Daran werden wir in Zukunft weiter arbeiten und schauen, ob wir eine gute gemeinsame Lösung finden.

Danach gingen wir ins Abschlussplenum mit allen anwesenden Mitarbeiter*innen der CENCOIC. Wir berichteten ausführlich, was bei La gota negra und Aroma Zapatista in den letzten Monaten passiert ist, welche Themen uns bewegten und besprachen dies mit der CENCOIC.

In einer feierlichen Abschlussrunde bedankte sich jede*r von uns persönlich für die Besuchsreise und teilten unsere Erfahrungen. Außerdem richteten Hernan, Lucia, Paola, Manuel und Juan Carlos das Wort an uns und wir bekamen noch mehr sehr schöne Geschenke überreicht, um den Cauca mit nach Hause und zu unseren Kollektiven zu nehmen.

Nach diesem sehr emotionalen Abschluss des inhaltlichen Programms gab es ein leckeres Abendessen und der Tanzabend wurde eröffnet…

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Tag 11.

11. Tag

Heute Vormittag waren wir auf einem Treffen der Guardia Indígena in der Nähe von Popayán. Die Guardia Indígena sind die die unbewaffneten Selbstschutz-Einheiten der indigenen Gemeinden im Cauca. Wir hatten eine sehr kurze Anreise und kamen daher sehr früh an. Nach und nach kamen immer mehr Delegationen von Guardias an. Sie waren am frühen Morgen aus allen Teilen des Cauca aufgebrochen – einige kamen sogar den weiten Weg aus den territorios an der Pazifikküste. Gut, dass das Frühstück bereits fertig war als sie ankamen. So bildete sich an der Essensausgabe bald eine lange Schlange, ebenso wie am Obststand, den wir geholfen hatten aufzubauen.

In der Zeit bis zum Beginn des Treffens konnten wir uns kurz mit den Regional-Koordinatoren der Guardia Indígena treffen. Sie sagten uns, wie wichtig die von uns mit dem Kaffeeverkauf generierten Gelder für die den Prozess der Guardia ist. Viel Zeit blieb allerdings nicht, bis das Treffen begann, und so verabredeten wir uns für den nächsten Morgen, das Gespräch in Popayan fortzuführen.

Die Delegationen der Guardia hatten Aufstellung genommen. Insgesamt waren rund 750 Frauen, Kinder, Alte und Männer anwesend – das verdeutlichte uns eindrücklich, dass die Guardia ein Basisprozess der gesamten Gemeinde ist und, wie einer der Redner*innen es ausdrückte „das Herz und das Rückgrat“ der Bewegung. Es sprachen nacheinander die Koordinator*innen der 12 Zonen und die Regional-Koordinator*innen sowie anwesende Mitglieder des obersten Rates des Cauca.

Anschließend durften wir das Wort an die Anwesenden richten. Wir lasen eine Erklärung (Spanisch / Deutsch) vor, in der wir der Bewegung unsere Solidarität und unseren Schmerz angesichts der Gewalt, die sie erfährt ausdrücken und in der wir den 15 Menschen gedenken, die 2024 ermordet wurden, während sie eine Funktion für ihre Gemeinden ausfüllten – viele von ihnen waren Guardias Indígenas.

Nach den Reden kam dann der Sport dran: Es wurde Fußball gespielt. Leider verpassten wir die Gelegenheit ein eigenes „deutsches“ Team zusammenzustellen, denn wir hatten eine Verabredung mit den Koordinator*innen der Jugend-Abteilung des CRIC.

Wir waren sehr begeistert von der Aufgeschlossenheit und dem Selbstvertrauen der jungen Menschen. Es ist immer wieder bewundernswert, wie gut hier sehr viele ohne Aufzeichnungen frei reden können und den Bogen spannen, um, ohne sich inhaltlich zu verheddern, zum Ziel zu kommen. Sie berichteten uns von ihrer Arbeit und wir tauschten uns auch über unsere Erfahrungen zu freier Jugendarbeit in Hamburg aus. Sie berichteten von ihren Erfolgen, scheuten sich aber auch nicht Probleme mit der älteren Generation anzusprechen. Dabei ging es auch darum, dass sie den Eindruck haben, ihre Stimme wird nicht genug gehört, sowie um Themen wie Schwangerschaftsabbruch und Geschlechteridentitäten. Beim anstehenden 54. Jahrestag der Gründung des CRIC haben sie nicht viel Zeit zugesprochen bekommen. Halb im Scherz sagten sie daher, dass sie das Mikro einfach ergreifen werden, um ihre Sichtweisen mit der Bewegung zu teilen.

Später kamen wir wieder auf den traurigen Punkt der Zwangsrekrutierungen von Jugendlichen durch die bewaffneten Gruppen in manchen Teilen des Cauca – eine Realität, die dazu führt, dass jedes Jahr hunderte jungen Menschen in Särge in ihre Gemeinden und zu ihren Familien zurück kommen. 

Begeistert von der Energie der Jugendlichen aber auch den Kopf voller weiterer Fragen und sehr nachdenklich über das Gehörte machten wir uns wieder auf den Weg zurück nach „Hause“, auf die Finca. So hatten wir wieder jede Menge Gesprächsstoff die Rückfahrt und die tägliche Nachbesprechung am Abend.

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1.Tag

Die Reise der beiden Kaffeekollektive @aroma_zapatista und @la_gota_negra hat begonnen!
Heute sind wir in Popayán, der Hauptstadt der Region Cauca im Südwesten Kolumbiens,
angekommen.
Rocío und Sandra, die bei der Kooperative CENCOIC arbeiten, haben uns sehr herzlich in Empfang
genommen und uns ihre Stadt gezeigt.
Durch die engen Straßen der kolonial erbauten Innenstadt mit ihren weißen Häusern, sind wir zu einer Brücke gelaufen, über die damals die versklavten Menschen geführt wurden, und auf den Berg Morro de
Tulcán, der vor der europäischen Invasion ein wichtiger Ort für indigene Zeremonien war. Auf
diesen stellten die spanischen Kolonialherren dann eine Statue von Sebastian de Belalcázar, welche
bei Protesten im Jahr 2020 von den indigenen Misak gestürzt wurde.
Wir haben gemeinsam die ersten typischen Snacks genascht und leckere Fruchtsäfte genossen und
uns dabei ausgetauscht. Rocío hat dabei erzählt, dass sie bei der CENCOIC in der Koordination der einzelnen
Kaffeeproduzierenden-Gruppen tätig ist. Sandra ist für administrative Aufgaben zuständig.
In den nächsten Tagen werden wir die Kaffeeabteilung der CENCOIC und deren Kaffeeanbauende
besuchen und viel Zeit mit ihnen verbringen.
Wir erwarten in den nächsten Tagen außerdem spannende Gespräche mit dem Indigenen
Regionalrat des Cauca (CRIC), der Selbstorganisierung der Frauen und den Jugendlichen in der
Bewegung.
Außerdem treffen wir die Guardia Indigena, um mehr über ihre Arbeit zu erfahren und uns über die
aktuelle Situation der selbstverwalteten Gebiete auszutauschen. #cencoic #cric_cauca #kaffeekooperative #colonialismisacrime #popayán
Es war ein toller Start mit den beiden! Vielen Dank an die CENCOIC!

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2. Tag

Heute Vormittag waren wir in der Abteilung der Economia Própia – eine der vier Abteilungen der Kooperative CENCOIC. Dort haben wir den Koordinator Manuel Bustos getroffen. Er hat uns viel berichtet über die aktuelle Situation der “eigenen Wirtschaft”. Mit dieser Abteilung verknüpft die Kooperative und die Bewegung politische wie wirtschaftliche Ziele. Dadurch soll die ökonomische Situation und die Autonomie der indigenen Gemeinden und der kleinbäuerlichen Familien gestärkt werden. Die Abteilung kauft unter anderem Produkte der indigenen Kleinbäuer*innen ab, um sie zu guten Bedingungen gemeinsam zu vermarkten – entweder in anderen Selbstverwaltungsgebieten oder auch außerhalb der indigenen Gemeinden. Ebenso haben sie eigene Marken von Grundnahrungsmitteln, die sie in guter Qualität produzieren und zu stabilen, erschwinglichen Preisen in den indigenen Selbstverwaltungsgebieten vertreiben. Dadurch bleiben mehr ökonomische Ressourcen in den Selbstverwaltungsgebieten und die Kleinbäuer*innen haben einerseits einen Markt für ihre Produkte und andererseits eine Lebensmittelsicherheit. Als Kooperative aus den Gemeinden haben sie das Ziel, die Bedürfnisse der indigenen Bewegung zu erfüllen. Insgesamt waren wir sehr begeistert über die Energie und den Mut, mit dem die CENCOIC hier versucht, ökonomische Sicherheit für die Kleinbäuer*innen zu gewinnen.

(Einen super Hintergrundartikel zu den Problemen der indigenen Kleinbäuer*innen und dem Anstrengungen der Gemeinden, diese zu ändern, findet ihr hier)

Auch Juan Carlos Guampe, der Geschäftsführer der CENCOIC, sowie Hernán Castellanos, der Koordinator der Kaffeeabteilung, waren beim Gespräch dabei. Juan Carlos sagte: “Wir freuen uns sehr, dass ihr hier seid, denn der Austausch ist wichtig, und die Kommunikation muss offen sein, damit Prozesse laufen können”.

Mittags hatten wir die Gelegenheit für ein kurzes Treffen mit Hermes Pete, der 2020-22 der oberste Vertreter der Bewegung war und aktuell Abgeordneter in der 2. Parlamentskammer Kolumbiens ist. Er berichtete uns von seiner Initiative, Kaffeekooperativen der verschiedenen ländlichen Bevölkerungsgruppen (Indigene, Afrokolumbianer*innen, Campesinos), zwischen denen es oft Konflikte gab, zusammen zu bringen. Außerdem erzählte er, dass heute Morgen im Selbstverwaltungsgebiet von Toribio ein Guardia Indígena ermordet wurde.

Anschließend sind wir gemeinsam mit dem ganzen Team der „Economia Propia“ zum Essen gegangen. Es war toll, mit ihnen allen gemeinsam an einem Tisch zu sitzen.

Nach dem Mittagessen berichtete uns die Personalabteilung der CENCOIC von ihrer Arbeit, die unter anderem darin besteht, Weiterbildungen anzubieten, sich um Arbeitssicherheit, Konfliktbearbeitung und mentale Gesundheit zu kümmern, sowie eine gute Arbeitsatmosphäre innerhalb der Kooperative zu schaffen. Dabei dachten wir oft, dass das auch wichtige Themen für unsere eigenen Kollektive sind.

Wir haben noch viel mehr gelernt und erfahren aber das sprengt hier den Rahmen. Während der langen Besprechung wurden wir immer wieder mit Kaffee, Fruchtsaft und Snacks versorgt. Zeitweise wurde der Vortrag immer wieder von grollendem Donner unterbrochen. Ein wichtiger Grundsatz der CENCOIC ist es, zu lernen und zu verlernen, sagt Manuel, und ihre Mission ist es gut zu leben und sich gegenseitig zu stärken.

Wir freuen uns sehr, auf dieser Reise Teil davon sein zu können und gemeinsam zu lernen!

Abends sind wir auf die Finca „Por Fin“ gefahren, die der CENCOIC gehört. Mehr dazu erfahrt ihr morgen, denn hier werden wir die nächsten Tage verbringen.