Willkommen bei der kollektiven Kaffeerösterei „La gota negra“

Allein machen sie dich ein…heißt für uns jetzt auch:https://www.linuxmint.com/start/rosa/

Kollektiv arbeiten! *La gota negra*: Die neue kollektive Kaffeerösterei in Hamburg stellt sich vor:

Warum kollektiv arbeiten?

Wir sind eine Gruppe von Freund*innen, die schon seit längerem im Eschenhof, einem Hausprojekt in Hamburgs Südosten, zusammenleben und uns hier im Alltag selbst organisieren. Die Frage, warum wir im Kollektiv leben wollen, haben wir also schon vor einiger Zeit für uns beantwortet: wir haben festgestellt, dass uns Selbstverwirklichung im Kollektiv mehr Spaß macht. In einem engen Bezug miteinander können wir viel mehr von den Ideen verwirklichen, die uns zufrieden machen.
Bis dato hingen wir alle in diversen Lohnarbeitsverhältnissen fest; nun gehen wir diesen nächsten Schritt auf dem Weg ins schöne – das heißt für uns eben: nicht fremdbestimmte! – Leben: wir haben die kollektive Kaffeerösterei „La gota negra“ gegründet.

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… (noch einige) Gedanken zum Thema solidarische Ökonomie

Das berühmte Adorno-Zitat vom richtigen Leben im falschen manifestiert sich besonders eindrucksvoll beim Thema „Konsum“. Es scheint oft, als könne mensch nicht anders, als sich in Widersprüche zu verstricken. Mensch und Tier werden in der Produktionskette ausgebeutet; und die „BIO“- und „FAIRTRADE”-Labels sind häufig nicht das was sie versprechen (siehe unten “Erklärung zur Fairtrade-Labels”).
Nun steigen wir selbst in den Handel ein – wie passt das zusammen? Die Antwort ist so einfach wie vielschichtig: wir wollen solidarisch handeln. Dazu gehört, dass wir die Rohkaffeebohnen, die wir verarbeiten, von Kollektiven kaufen, die wir bestenfalls persönlich kennen. Dazu gehört auch, dass wir Gewinne, die wir erwirtschaften, solidarisch auf andere an der Produktionskette Beteiligte umlegen; zum Beispiel auf die Bäuerinnen und Bauern in den Exportländern.
Wir versuchen, das Netzwerk solidarischer Ökonomie auszudehnen und damit Stück für Stück eine Alternativwirtschaft aufzubauen, indem wir z.B. Wert darauf legen, dass unsere Partner*innen auch Kooperativen sind; soweit es sekundär Beteiligte wie etwa Transportbetriebe, Verpackungshersteller usw. betrifft (die wahrscheinlich nicht kollektiv organisiert sind), bemühen wir uns, diejenigen zu finden, die unseren politischen Mindeststandards möglichst nahe kommen: (wenigstens annähernd) gerechte Entlohnung der Angestellten, nachhaltiger Umgang mit Ressourcen und ein transparentes Auftreten.

… warum nun eigentlich Kaffee?

Wir wollen die Möglichkeit haben, die gesamte Produktionskette zu überschauen, kritisch zu hinterfragen und möglicher Weise beeinflussen zu können. In der sogenannten „freien“ Marktwirtschaft funktioniert Export von Hochpreisrohstoffen wie Kaffee meist so, dass diejenigen daran am meisten verdienen, die den Rohstoff veredeln. Für die Menschen etwa, die den Kaffee ernten, bleibt oft nicht einmal die Existenzsicherung. Hier setzen wir an, indem wir vor Ort nur mit Kooperativen und Kollektiven zusammenarbeiten. Wenn wir eine solche Partnerschaft eingehen, so ist für uns klar, dass diese nicht von heute auf morgen aufgekündigt werden kann. Das heißt für unsere Handelspartner_innen Planungssicherheit und Unabhängigkeit vom Weltmarktpreis. Für uns vielleicht zum Beispiel, dass es eine spezielle Bohne nur über einen begrenzten Zeitraum hinweg gibt – auch wenn die Nachfrage groß ist und wir nach kapitalistischen Spielregeln anders handeln würden.

… und wie soll das funktionieren?

In Hamburg gibt es bereits mehrere Kollektive, die mit Kaffee arbeiten. Mit diesen haben wir uns bereits vernetzt und können an Ressourcen und Know-How teilhaben. Zunächst ist der Plan, über bereits bestehende kollektive Strukturen zu importieren. Mittelfristig wollen wir weitere Produktionskooperativen ausfindig machen und die Zusammenarbeit noch direkter gestalten. Wir arbeiten eng mit den anderen Kollektiven zusammen und legen gesteigerten Wert auf gute Absprachen; So sehen wir uns nicht als Konkurrenz zu anderen Kollektiven!

Wir fertigen kleinere Produktionseinheiten, die dann natürlich auch teurer sein werden als industriell gerösteter Kaffee.Das ist uns bewusst und wir nehmen es billigend in Kauf, denn eben dies ist für uns ein Grund, den Kapitalismus zu kritisieren: möglichst alles soll möglichst immer und zu Schleuderpreisen erhältlich sein- egal welche Opfer das Produkt auf seinem Weg zurückgelassen hat. Dazu wollen wir einen Gegenpol schaffen, indem wir uns an dem von uns erwirtschafteten Geld – über die Deckung unseres Bedarfs hinaus – nicht selbst bereichern, sondern soweit wir können anfangen, das Geld dorthin zurück zu schaffen, von wo es seit Jahrhunderten ausgebeutet wird. In die Länder, in denen die Rohstoffe abgebaut werden!

…Erklärung zu Fairtrade-Labels

Die festgelegten Standards bei dem Siegel orientieren sich nicht zwangsläufig an den Bedürfnissen der Produzent*innen; oft ist es eine Verbesserung der Erwerbssituation der Produzent*innen, fußt jedoch nicht auf dem Grundsatz der gerechten Umverteilung von Wohlstand und Möglichkeiten.

Wir halten den Ansatz des solidarischen Handels für eine befriedigende Möglichkeit, diese Lücke zu schließen. Der persönliche Kontakt zu den Produzierenden und der Austausch vor Ort über die Lebenssituationen, die langfristige Zusammenarbeit und darüber sich festigende Beziehungen schaffen eine Grundlage für einen solidarischen Handel.
Für uns bedeutet solidarischer Handel z.B., mit den zapatistischen Kaffeebäuer*innen und Kaffeebauern in Mexico auch deren Vision und Kampf für eine gerechtere Welt zu unterstützen.

Ein weiteres Problem am Fairtrade Siegel sehen wir darin, dass die kleinbäuerlichen Kooperativen große Schwierigkeiten haben die Gebühren für die Zertifizierung aufzubringen. Die Kooperativen stehen dann auch automatisch in der Verantwortung der Kontrolle der einzelnen Produzent*innen.
Bei Direct Trade/ Solidarischen Handel wird dieses automatisch durch den persönlichen Austausch und durch Besuche der Produzent*innen erfüllt.

Zum Beispiel im UTZ-zertifizierten Kakaohandel werden Regeln zur Verhinderung von Kinderarbeit nicht eingehalten; Kinder müssen oft arbeiten und auch eventuelle Förderungen von Schulprojekten kann nicht verhindern, dass viele Familien dazu gezwungen sind ihre Kinder mitarbeiten zu lassen, anstelle ihnen einen Platz in der Schule zu finanzieren. Die Kontrollen sind meist viel zu aufwendig und deshalb nur schwer durchzuführen.
Durch den fairen Handel motiviert, gründen sich für die Umsetzung der Einhaltung der besseren Mindeststandards, Kampangnen vor Ort, die zusammen arbeiten und Druck auf die Konzerne aufbauen. Es gibt aber auch viele Konzerne die eigene Institutionen innerhalb ihres Konzerns aufbauen, um die Einhaltung der besseren Standards zu prüfen oder sie beauftragen Agenturen, die dann wiederum in unmittelbarer Abhängigkeit des Konzernes stehen, weil es eben ihr Auftraggeber ist. Außerdem werden Subunternehmer die der Konzern zusätzlich beauftragt, bei diesen Kontrollen häufig übersehen. So bleibt die Frage wer kontrolliert unabhängig und gründlich? Offen.
Gibt es Sanktionen? Bei unserem direkten Handel sind es die einheimischen Organisationen selbst, die sich für ihre Arbeitsrechte einsetzen!
Siehe hierzu: UTZ – Zertifizierung von Kakao „Das schmutzige Geschäft von Nestle“

https://www.youtube.com/watch?v=M67u9FXPruw

Ziel ist häufig nicht das Nord-Süd Gefälle aufzubrechen und eine gerechtere Weltwirtschaft aufzubauen, sondern Weltkonzernen geht es um Profitmaximierung, indem sie das „grüne Gewissen“ der Konsument*innen ausnutzen und Kritik an ihrer Unternehmensführung über Greenwashing ausbremsen. Leider ist es immer noch so, dass die Produzierenden am wenigsten vom Verkauf Fairtrade zertifizierter Anbauprodukte profitieren, denn der größte Gewinn bleibt beim Einzelhandel.
Beim Fairen Handel können die Bäuer*innen nicht mit festen Einnahmen rechnen, weil die Rohstoffpreise an der Börse schwanken. Beim direkten Handel gibt es feste Preise, sodass die Bäuer*innen nicht von den wechselhaften Börsenpreisen abhängig sind.
Unsere Form des Direkten Handels impliziert dass kleinere Mengen importiert und direkt gehandelt werden. Es wird sich direkt mit den kleinbäuerlichen Unternehmen ausgetauscht. So entfallen die Verluste entlang der Lieferkette.

Wir finden wichtig, das Konsument*innen genau drauf gucken, was im Produkt drinnen steckt und sich selbst als Teil des Kapitalismus begreifen und nicht ihr potenziell schlechtes Gewissen über den Kauf von Fairtrade-Produkten beruhigen. Für uns ist kritischer Konsum mehr als fair gehandelte Produkte einzukaufen. Es geht darum sich überhaupt über den übermäßigem Konsum in unserer Gesellschaft auszutauschen. Sich zu überlegen wie viele paar Schuhe Mensch wirklich braucht und ob Mode-trends eigentlich wirklich etwas mit dem eigenen Geschmack zu tun haben. Wir haben um uns herum Menschen, mit denen ein regelmäßiger, kritischer, offener Austausch über unseren jeweiligen Konsum möglich ist. Wir leben in einem Wohnprojekt wo wir gemeinsam diskutieren welche Produkte in unsere Speisekammer und Badezimmer kommen. Wir haben uns als Ziel gesetzt möglichst regional und direkt Waren zu beziehen. Dieses Ziel ist ein Weg auf dem wir noch sehr am Anfang sind.

Es gibt die klassischen Siegel zur Bezeichnung von umwelt-und/oder sozialfreundlichen Waren (Biosiegel/Umweltsiegel FairTrade Siegel) das bedeutet aber doch noch nicht unbedingt, dass auch bei der Produktentwicklung ein ganzheitlich nachhaltiges Produkt geschaffen wird. Wir wollen bei unserem Produkt „Kaffee“ eben darauf achten dass ALLE Schritte in kollektiven Betrieben erarbeitet werden und diese kollektiven Betriebe auch im Austausch miteinander sind. Sei es der Flyer, die Verpackung, die Handelswege etc.

Es ist wichtig genau hinzuschauen! Wir wollen nicht alle in einen Topf werfen, aber wir wollen für das Thema sensibilisieren.